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Warum „Gain before Feedback" funktioniert: Latenz und Haas

GAIN MGMT · TEIL 07
Denn der Slogan funktioniert wirklich — nur ist der Grund nicht der, nach dem er aussieht.

Der erste Faktor ist die Latenz des Pults. Liegt die Verarbeitungsverzögerung über 3 ms, entsteht Feedback naturgemäß später — weil Sie die Rückkopplungswelle verzögern und brechen. Auf manchen Pulten steigt die mittlere Latenz auf 8–12 ms, sobald Sie alles benutzen. Ich mache daraus einen Vorteil: Wenn die PA hart in den Raum schlägt, gebe ich dem Hauptsystem eine passende Verzögerung.

Das beste Beispiel ist das Jolly Joker in Istanbul. Das eigentliche Problem dort ist nicht nur Feedback; das Ohr des Solisten ist näher an der PA als an den Monitoren. Wer den Haas-Effekt kennt, weiß: Auf die jeweils nähere Quelle lokalisiert die Wahrnehmung „zuerst". In diesem Raum will deshalb jeder Künstler die Monitore so weit aufreißen, dass sie die PA überstimmen. Geben Sie der PA aber 3 ms Delay, lässt sich das Problem viel leichter lösen.

Der zweite Faktor ist der Klang des Gains. Je mehr Tiefmitten-Obertöne sich ins Hauptsignal mischen, desto später koppeln diese Kanäle — aber wenn sie einmal losgehen, sind sie schwer einzufangen. Die Raumfrequenzen, die zuerst aus der Umgebung aufs Mikrofon treffen, sind die Mittelmitten und Höhen, die Energie, die als Erste von den Wänden zurückkommt; sie klingeln zuerst, dann die Subs, und die Tiefmitten kommen zuletzt. Auf manchen Pulten ist der Tiefmitten-Charakter von Anfang an dicht — und das verändert das Verhalten der Rückkopplung.

Daher kommt das Gefühl von „unbegrenztem Gain": Delay und harmonische Balance schieben das Feedback nach hinten. Keine Magie — Physik.

Haben Sie den „Monitorkrieg" schon einmal gelöst, indem Sie die PA bewusst verzögert haben?