← All writings
Gain heißt eigentlich „Empfindlichkeit"
GAIN MGMT · TEIL 02
Ich halte „Empfindlichkeit" für den besseren Begriff, weil er beschreibt, wie das Eingangssignal als Klang wirkt.
Warum also ist Empfindlichkeit so wichtig? Bei Line-Signalen ist sie nicht entscheidend. An einem Mikrofon lässt sich dagegen leicht zeigen, was sie bedeutet. Versuchen Sie es: Mikrofon in der Hand, Kopfhörer am Pultausgang. Sprechen Sie aus konstantem Abstand hinein und öffnen Sie das Gain langsam. Was passiert? Zuerst steigt der Pegel — darüber sind wir uns einig. Um zu hören, was wirklich geschieht, muss man jedoch genauer hinhören. Mit steigendem Gain weitet sich die Empfindlichkeit des Mikrofons — sein Wahrnehmungsfeld. Je mehr Gain, desto breiter die Wahrnehmung.
Was heißt das für uns? Mit dem Feld weitet sich auch der Klang des Mikrofons — als säße ein Hall darin —, weil das Mikrofon nun nicht mehr nur die Hauptquelle aufnimmt, sondern alles, was vom Raum zurückkommt; das Ergebnis ist ein „effektierter" Klang. Bei niedrigem Gain dagegen — selbst wenn Sie den Pegel mit dem Fader oder dem Master wieder anheben — ist der Klang des Mikrofons „knochiger", voller und zugleich transparenter.
Deshalb ist es eines der wichtigsten Details für eine leichte Mischung, an Mikrofonen mit so wenig Gain wie möglich zu arbeiten. Wenn viele Musiker darum bitten, dass es „tighter" klingt, meinen sie genau das. Aber schneiden Sie nicht so weit zurück, dass dem Operator keine Ablesereserve bleibt — halten Sie es komfortabel.
Nutzen Sie das Gain an Ihren Mikrofonen, um Klang zu öffnen — oder um Empfindlichkeit zu steuern?