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„Gain before Feedback" — was meinte MIDAS wirklich?
GAIN MGMT · TEIL 03
Um es zu erklären, muss ich an den berühmten Slogan von MIDAS Pro erinnern: „Gain before Feedback". Haben Sie sich je gefragt, warum die digitalen MIDAS-Pulte mit genau dieser Zeile eingeführt wurden?
Zuerst eine Einschränkung: Nehmen Sie den Slogan nicht zu wörtlich — es steckt ein geschickter Taschenspielertrick darin, der auf einigen realen Faktoren aufbaut. Verstehen Sie das aber nicht als Schlechtreden. MIDAS beschreibt tatsächlich etwas sehr Wahres. Der Slogan verrät sogar, wie erfahren der Techniker ist, der ihn versteht. Wie viele unter unseren Kollegen können wirklich ausfüllen, was dieser Satz bedeutet?
Denken Sie daran: Mit steigendem Gain weitet sich das Wahrnehmungsfeld des Mikrofons. Und mit dieser Weitung nehmen nicht nur die Raumreflexionen zu — auch die Rückkopplungswahrscheinlichkeit steigt, weil das Mikrofon empfindlich wird für das, was von den Monitoren und der PA zurückkommt. Sehen Sie sich diesen empfindlichen Bereich nach Frequenz an, und Sie erkennen: Die Mittelmitten treten hervor — sie erzeugen die dichteste Wahrnehmung. Das Mikrofon fängt Feedback also früher ein. Kurz gesagt: je mehr Gain, desto höher die Feedback-Wahrscheinlichkeit.
Genau deshalb ging MIDAS mit „Gain before Feedback" an den Start — gerichtet an die erfahrenen Techniker, die das bereits wussten. Der Slogan funktioniert; zu wissen, warum er funktioniert, ist mehr wert, als ihn zu benutzen. (Warum er zugleich ein wenig Täuschung ist, öffne ich später — mit Latenz und dem Haas-Effekt.)
Lesen Sie „Gain before Feedback" als Marketingzeile oder als echte ingenieurtechnische Beobachtung?