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Ich fand einen Fehler in seinem Lautsprecher — und gewann einen Freund
FELDGESCHICHTE
Ein Systemtechniker sah mich lange an. Er sagte nichts, er sah mich nur an. In meinem Kopf dachte ich: „Das war's, ich habe es vermasselt, gleich wird es hässlich." Denn einen Moment zuvor hatte ich vor versammelter Runde gesagt, sein Lautsprecher habe einen Fehler.
Von vorn. Meine Geschichte mit DAS Audio reicht weit zurück. Schon 1996 kaufte ich in İzmir zwei 12"- und zwei 18"-Boxen und installierte sie für einen Freund in einem Lokal in Balıkesir. Dieser Klang blieb bei mir. Jahre später, bei einem Open-Air mit Işın Karaca, gelang mir mit DAS Aero 12 eine so leichte, so saubere Arbeit, dass es ein echtes Vergnügen war, mit diesem System zu arbeiten.
Eines Tages meldete sich der türkische DAS-Audio-Distributor. Sie wollten die neuen Aero 20 und 40 vorstellen und baten mich, sowohl einen Vortrag zu halten als auch das Konzert an diesem Abend zu mischen. In der Vorbereitung warnte mich DAS Spanien höflich: Ihre Systemtechniker seien für Kritik nicht sehr offen, ich solle vorsichtig formulieren.
Auf der Bühne hörte ich Stücke, die ich genau kenne. Die Aero 20 gefielen mir sehr — ein reifer, ausgewogener Klang. Bei den 40ern aber gab es eine Senke um 600–700 Hz; der Klang wirkte auf mich etwas nasal. Und ich sagte es.
Genau da geschah es. Der Systemtechniker Joel sagte nichts und sah mich nur an, und sah weiter. „Gut", dachte ich, „ich habe die Gefühle des Mannes verletzt, jetzt wird es kompliziert."
Wurde es nicht. Ich machte mit dem Orchester einen schnellen, schlichten Soundcheck — ein Pult, frontal, in seiner einfachsten Form. Das lokale Orchester war wirklich eine eingespielte, schöne Truppe. Dann zog mich DAS' Vertriebsleiter Nacho zur Seite: „Was hast du Joel gesagt — und das vor seinem eigenen Distributor?" Da haben wir's, dachte ich, du konntest den Mund wieder nicht halten. Aber Nacho lächelte: „Was auch immer du gesagt hast — Joel bewundert dich jetzt schon."
An diesem Abend gingen wir mit diesem Orchester auf die Bühne. Und aus dieser Band kam ein Klang.
Joel kam ans Pult und prüfte meine Einstellungen: fast alles flat, die Haupt-EQs unberührt. Er sah sich die Halls und Delays an — deren EQs ebenfalls flat. Dann sah er mich an und sah den Klang an; er konnte nicht glauben, dass dieser Klang aus seinem eigenen System kam.
Aber der Abend endete dort nicht. Joel und Maria nahmen mich beiseite und stellten die eigentliche Frage: Warum ist DAS nicht so erfolgreich wie die anderen großen Marken? Ich sagte es geradeheraus:
„Weil ihr keine Systeme verkauft — ihr glaubt, ihr verkauft Komponenten. Firmen kaufen von euch nur den Lautsprecher und betreiben ihn mit eigenem DSP und eigenen Einstellungen. Solange ihr das nicht abstellt, kommt kein Erfolg. Ohne ein betriebsfertiges System — ein Ökosystem — funktioniert das nicht."
Ich sagte es und ging weiter. Aber dieser Satz blieb bei mir, weil ich wirklich daran glaubte.
Monate später fand mich Joel auf der Musikmesse Frankfurt am Yamaha-Stand — und ging vor allen Leuten vor mir auf die Knie und rief „big audio engineer!"
Und Jahre später fiel alles, was ich an jenem Abend gesagt hatte, eins nach dem anderen an seinen Platz. DAS brachte das ARA-System heraus — genau jenes Ökosystem, das ich beschrieben hatte. Und die beiden Ingenieure aus diesem Gespräch gingen zu den Meistern des Systems: Maria wechselte zu d&b und arbeitete dort jahrelang; Joel wechselte vor Kurzem zu L-Acoustics. Die beiden Menschen also, denen ich „keine Komponenten, Systeme" gesagt hatte, gingen zu den beiden Unternehmen, die genau das weltweit am besten können.
Was folgt daraus? An jenem Abend sagte ich zwei ehrliche Sätze. Der eine war eine Kleinigkeit — eine Senke in der 40. Der andere war viel größer — warum ein ganzes Unternehmen auf der Stelle trat. Beides sagte ich nicht, um jemandem zu schmeicheln, sondern weil es stimmte. Und die Ehrlichkeit beendete diese Beziehung nicht; sie begründete sie. Genau deshalb vertrauten sie mir.
Auch der Klang, der Joel an diesem Abend überzeugte, war kein Trick und keine Schminke. Es war ein flaches Pult; es war schlicht, das Fundament richtig zu setzen. Ein gutes System gibt Ihnen zurück, was Sie ihm gegeben haben — meine Aufgabe war, sein Wesen zu respektieren, ohne es zu brechen.
Ein guter Lautsprecher verdient ein ehrliches Ohr. Und manchmal darf man zusehen, wie ein einziger ehrlicher Satz Jahre später recht behält.
Yılmaz Yeniyol
SENIOR AUDIO SYSTEMS ARCHITECT · BALANCE ENGINEER
info@balance-engineer.com · +1 561 931 9785 · Boca Raton, Florida · Think Simple, Balance Effortlessly